Voit und Leinsle: Zwei neue Ehrenamtliche im Interview

Verfasst von Frank Nie am Di, 19.07.2011 - 11:45

Neun ehrenamtliche Seelsorger/-innen, acht Frauen und ein Mann, beginnen nach den Sommerferien ihre Arbeit in den Erlanger Unikliniken, dem Waldkrankenhaus und der Fachklinik Herzogenaurach. Hinter ihnen liegt eine halbjährige Ausbildung bei Krankenhauspfarrerin Dorothea Böhle (Supervisorin/DGfP) und der Therapeutin Agathe Schwethelm. Am 17. Juli wurden sie für ihre neue Aufgabe in einem Festgottesdienst in der Kapelle der Erlanger Kopfklinik gesegnet. Zwei von ihnen - Carmen Voit (45, links) und Marina Leinsle (32) - beschreiben, was Sie an Seelsorge wichtig finden und warum sie sich ehrenamtlich engagieren.

Carmen Voit (li) und Marina Leinsle (re) vor dem Bettenhaus der Erlanger Unikliniken.


Warum besuchen Sie fremde kranke Menschen?

Leinsle: Ich habe früher selbst viel Hilfe erfahren. Und ich habe das gute Gefühl, diese Hilfe jetzt weiter zu geben.

Voit: Ich mache das, um einem anderen etwas Gutes zu tun und ihn in seiner Krisensituation ein Stück zu begleiten; vielleicht kann ich Menschen so ein wenig Hoffnung geben...

Leinsle: … ein Stück Leid abnehmen…

Voit: … den einzelnen Menschen ansehen, ihn als Person ernst nehmen. Die seelische Seite wird in der Klinik aus Zeitgründen oft vernachlässigt, obwohl das eigentlich keiner möchte.

Sie stehen auf dem Gang, klopfen an eine geschlossene Zimmertür. Sie gehen hinein, fremde Menschen schauen Sie an. Wollen Sie die missionieren?

Voit: Nein.
Leinsle: Um Gottes Willen!
Voit: Wir wollen doch ihre Schwäche nicht ausnutzen, sondern für sie da sein.

Was haben Ihre Besuche dann mit dem Glauben zu tun?

Voit: Da ist das Thema „Nächstenliebe“. Hoffnung geben, einen Menschen wertschätzen.

Leinsle: Du sagst es. Wir Menschen sind alle mit einer Energie, mit Gott, verbunden. Das hat etwas damit zu tun füreinander da zu sein.

Was halten Sie von einem „lieben Gott“, der Menschen so krank werden lässt?

Leinsle: Meinen Sie wirklich, Gott macht die Menschen krank? Wir können die Schuld doch nicht auf Gott schieben.
Voit: Das ist nicht seine Schuld. Ich bete für die Patienten
Leinsle: Ich auch. Um Heilung, oder auch, dass sie Kraft finden zum Leben. Manche Krankheiten sind ja nicht zu heilen.

Was unterscheidet Ihre Besuche von dem, was Klinikpsychologen tun?

Voit: Der Psychologe hat, vermute ich, verschiedene Wege und Strategien im Kopf, um ein Ziel zu erreichen.
Leinsle: Die Seelsorge möchte begleiten auf dem Weg, aber nicht heilen oder behandeln. Wir haben mit Therapie nichts zu tun, wir behandeln keine Patienten,…
Voit: … wir begleiten Menschen, so wie sie jetzt sind.

Was haben Sie von Ihrem Engagement? Geld gibt es ja keines.

Leinsle: Wenn einer sagt „Danke schön, dass Sie da waren“, das freut einen.
Voit: Die Patienten schenken mir ihr Vertrauen, sie erzählen oft viel von sich und ihren Erfahrungen.
Leinsle: Oh ja. Man sieht, wie sie dabei aufblühen, manchmal ihre Krankheit vergessen. Man bekommt selbst viel mit, um sich weiter zu entwickeln.

Gibt es etwas, was Sie aus Ihren vielen Gesprächen mit kranken Menschen anderen weiter geben wollen?

Leinsle und Voit: Dass der Mensch aus Seele, Geist und Körper besteht und man diese Ganzheitlichkeit mehr beachten sollte. In der Seelsorge lernt man, einen Menschen auch im Alltag mehr zu schätzen, mehr auf ihn einzugehen. Das ist gut.
Leinsle: Und anders als in Facebook. Da weiß man ja nicht einmal, mit wem man chattet.
Voit: Mehr Zeit füreinander, das ist es.

Foto/Interview: Frank Nie
 

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