Den Alltag neu entdecken (3): Was ich mag und liebe – oder: Ein Weg, Glück zu empfinden

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Ich liebe einen Kalenderspruch von Pam Vredefelt, der ungefähr so lautet:

„Angeblich ist es ein typisches Stressymptom, wenn man zu viel Schokolade isst, zu viel Kaffee trinkt, zu viel einkauft oder zu viel schläft.
Soll das ein Witz sein??? Ich finde, genau so muss der perfekte Tag aussehen!“

Während wir (zumindest gedanklich) oft dabei sind, uns möglichst zu optimieren (mehr Sport, weniger Süßigkeiten, Abnehmen, gesünder Leben, Weiterbildung, etc.), fragen wir uns – glaube ich – eher zu selten: Was würde mir richtig Freude machen? Was würde mir jetzt guttun? Was mag und liebe ich?

Ich habe diesbezüglich einmal eine sehr eindrückliche Erfahrung gemacht, die ich Ihnen hier gerne weitergeben würde.

Ich habe einen mich sehr ansprechenden Roman gelesen, der mit einer seitenweisen Aufzählung all dessen endet, was die männliche Hauptperson mag.
Ein kleiner Ausschnitt daraus lautet (in Auswahl):

„Ich mag den Essensgeruch, der durch ein offenes Fenster hereindringt, oder Vorhänge, die sich im Sommer leise in der Brise blähen. Ich mag Hunde, die beim Zuhören den Kopf leicht schräg legen, oder eine frisch gestrichene Wohnung. Ich mag, wenn auf dem Nachttisch ein Buch auf mich wartet. Ich mag das Geräusch, wenn eine Flasche entkorkt wird. Ich mag Familienorte und den Duft von frischer Wäsche. Ich mag rote Wangen und ein Zittern in der Stimme. Ich mag den Geruch von Säuglingen und den fernen Klang eines Klaviers. Ich mag es, meine Füße im Sand zu vergraben. Ich mag das Geräusch aufplatzender Kastanien in der Glut. Ich mag die Stille der Sommerabende. Ich mag das Brodeln der Espressokanne auf dem Herd. Ich mag Alleen. Ich mag alte Fotos, mit denen man in die Vergangenheit reisen kann. Ich mag alte Lieder, bei denen dir der Atem stockt. Ich mag das Licht am Himmel, wenn die Sonne untergegangen ist. Ich mag es, wenn jemand keinen Zorn hegt. Ich mag alte, chaotische Buchhandlungen. Ich mag das Lächeln meiner Kinder. Ich mag es, wenn Menschen sich selber lieben können. (Lorenzo Marone, „Der erste Tag vom Rest meines Lebens“)

Diese Aufzählung (im Original tatsächlich fast 6 Seiten lang!!!) hat mich regelrecht gefangengenommen und dazu inspiriert, selbst all das aufzuschreiben, was ich liebe. Auch bei mir kam eine ganze Menge zusammen!

Aber das Faszinierende dabei: Als ich mir meine Aufzählung von der Seele geschrieben hatte, habe ich mich unglaublich gut gefühlt: glücklich, frohgemut, entspannt, wohlig, dankbar!
Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet! (Die Neurobiologie lässt grüßen …)
Das hat so gut getan!
Manchmal ist ja im Augenblick nicht nur die Außenwelt „heruntergefahren“, sondern auch unsere eigene Gefühlslage.
Deswegen meine Idee:
Hätten Sie Lust, sich anzuschließen, und einmal Ihre eigene „Liste“ aufzuschreiben?
Vielleicht würden Sie ja eine ähnliche Erfahrung machen – und die Stimmungslage hellt sich auf oder steigt deutlich an?


Da ich selbst 6 Seiten Buch zur Inspiration hatte, nun noch ein Ausschnitt meiner eigenen Liste – hoffentlich als „Lustmacher“ zum selber Schreiben:-):

„Ich liebe es, in den Tag hineinzuleben. Ich liebe das laut schallende Gelächter mit meinen Freundinnen. Ich liebe Aufgüsse in der Sauna, wenn die heiße Luft zu mir geschlagen wird. Ich liebe den ersten Duft des Frühlings und das Knirschen von Schnee unter meinen Füßen. Ich liebe das Gerangel der Spatzen an der Futterstelle im Garten. Ich liebe ein heißes Bad mit Sandelholzduft. Ich liebe Pusteblumen, Mohnfelder und wogende Sommerwiesen. Ich liebe die Wüste – und die Stille. Ich liebe es im Tölt auf einem Isländer zu reiten. Ich liebe schön dekorierte Geburtstagstische. Ich liebe gutes Essen. Ich liebe den Duft von Tannenzweigen in der Wohnung. Ich liebe orange Tulpen auf dem Esstisch. Ich liebe freundliche, offene Menschen. Ich liebe es zu tanzen. Ich liebe Humor. Ich liebe Fotospaziergänge in der Provence. Ich liebe das milde Abendsonnenlicht. Ich liebe es, von klugen Menschen inspiriert zu werden. Ich liebe es, etwas ganz Neues auszuprobieren. Ich liebe laue Sommernächte und die Sterne bei wolkenlosem Himmel. Ich liebe eine liebevolle, wohlwollende Haltung.“

Mit einem sehr herzlichen Gruß,

Ihre Regina Korn-Clicqué von der Klinikseelsorge

 

 

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