Den Alltag neu entdecken (5): "Zwischenmenschliches"

Fastenimpuls 5

Unlängst ist der Autor Janosch, geboren im März 1931 als Horst Eckert, 90 Jahre alt geworden. Er ist der „Vater“ der berühmten Tigerente, sein Buch „Oh, wie schön ist Panama“ ist fast allen Menschen ein Begriff.

Sehr anschaulich und wunderbar finde ich auch sein Buch „Ich mach dich gesund, sagte der Bär“. Der Band erzählt die Geschichte „wie der kleine Tiger einmal krank war“…….

Der Bär kümmert sich rührend um den Tiger, der aus dem Wald gehumpelt kommt, verbindet ihn, kocht ihm etwas, deckt ihn mit seiner Lieblingsdecke zu und holt sich Rat bei „Tante Gans“. Diese schlägt einen Besuch im Krankenhaus für Tiere vor, denn man wisse ja nicht, was der kleine Tiger habe.

Der kleine Tiger wird sodann mit einer Bahre ins Krankenhaus gebracht und auf diesem Weg von diversen Tieren begleitet; Elefant, Ente, Hase, Fuchs, Igel, Esel, alle gehen mit, achten auf den Tiger auf seiner Bahre und machen ihm Mut.

Der Bär geht mit ins Krankenhaus hinein, steht dem Tiger bei den Untersuchungen bei, stellt dem Arzt wichtige Fragen und bekommt schließlich das gleiche Essen wie der Tiger….

Nach der notwendigen Operation („ein Streifen ist verrutscht“) kommen am nächsten Tag viele Besucher – Tante Gans, die Ente, der Hase – und nehmen dem Tiger etwas von seinem Heimweh, trösten ihn und muntern ihn auf.

Und hier nun hätte Janosch in Pandemiezeiten sein Buch umschreiben müssen. Denn Besuch am Krankenbett ist seit einiger Zeit nicht bzw. nur eingeschränkt erlaubt, aus verständlichen Gründen, um Patienten und Personal zu schützen.

Und so haben Sie als Mitarbeitende aller Berufsgruppen zusätzliche Aufgaben übernommen, und das möchte ich in dieser Zeit, in der wir von so Vielem fasten, auf so viele zwischenmenschliche Momente verzichten müssen, ausdrücklich betonen:

Sie nehmen sich hier in unserer Klinik mehr Zeit für Gespräche, Sie trösten und beruhigen Patienten, die sich einsam fühlen und in normalen Zeiten Besuch erwartet hätten, Sie muntern Menschen auf, Sie telefonieren vermehrt mit besorgten Angehörigen. Öfter als in „normalen“ Zeiten muss auch einmal für einen Patienten eine Reisetasche aus- oder eingepackt werden. Und in Situationen, die die Anwesenheit Angehöriger erfordern, finden Sie kreativ Lösungen, um dies unter Einhaltung der Hygienevorschriften zu ermöglichen.

Als Seelsorgerin meine ich selber hier in erster Linie palliative Situationen, Momente des Abschiednehmens.

Es erleichtert es für Angehörige, einen Menschen gehen zu lassen, wenn man zuvor gesehen hat, wie liebevoll er betreut wurde, wie gut er umsorgt war, wie Schmerzen oder Atemnot gelindert wurden…….

Und so wünsche ich Ihnen bzw. uns allen weiterhin viel Kraft und Gottes Segen in der Begleitung, Behandlung und Beratung der Patienten und ihrer Familien.

Mich stärkt in diesen ungewöhnlichen Zeiten ein Vers aus dem Neuen Testament:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
(2. Timotheus 1,7)

Ihre Pfarrerin Kathrin Kaffenberger
Evangelische Klinikseelsorge

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