Zur Jahreslosung "Suche den Frieden und jage ihm nach"

Mensch, das ging alles so schnell heuer. Weihnachten, dann das Wochenende, schwupp, schon hat das neue Jahr angefangen. Das muss ich erst mal klar kriegen im Kopf. Zeit für Party, gute Vorsätze und gute Worte.
So ein gutes Wort ist der Leitspruch, den die Kirchen dem neuen Jahr voranstellen. „Losung“ heißt das im Kirchendeutsch. Sie heißt: „Suche den Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34, Vers 15). Na, super. Ich stell mir vor, wie jetzt alle grüne Gummistiefel und Lodenzeug anziehen und auf die Pirsch gehen, die Flinte im Anschlag.
Halt! Stop! Diesen Film im Kopf gleich mal abschalten. Frieden ist schließlich kein Karnickel, auch keine Beute. Im hebräischen Alten Testament steht da nicht „jagen“, sondern das Wort „rapah“. Rapah heißt so viel wie hinterher eilen, jemandem nachgehen. Es kann auch bedeuten, einen Feind zu jagen. Muss es aber nicht. „Suche den Frieden und jage ihm nach“ heißt „Eile dem Frieden nach“, oder „Gehe dahin, wo der Friede lebt.“ Und mit dieser Aufforderung verspricht uns Gott etwas: Es gibt ihn wirklich, den Frieden. Ihr könnt ihn suchen, ihn finden, ihm hinterher gehen und ihn erreichen.
Übrigens: Im berühmten Hirtenpsalm (Psalm 23) steht der Vers: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang“ – dieses „folgen“ ist hebräisch wieder dieses „rapah“. Es könnte sich also beim Hinterhereilen durchaus lohnen, einmal stehen zu bleiben, zu verschnaufen und zurück zu schauen. Manchmal, so steht es im Alten Testament, will Gott uns mit seiner Güte einfach mal einholen.
Es lohnt sich, das als größtes Ziel des neuen Jahres ins Auge zu fassen: Ich suche den Frieden, und dafür strenge ich mich an. Und wir, Sie und ich, wir können ihn finden.
Das Team der Klinikseelsorge wünscht Ihnen ein gesegnetes neues Jahr.