Inne halten am 18. März 2020: Geduld ist eine Gnade

Wenn Sie mögen, lesen Sie hinein: Der geistliche Impuls für eine Fastenandacht, die heute in der Kapelle des INZ hätte stattfinden sollen. Die muss nun ausfallen, um einer Verbreitung des Corona-Virus entgegen zu treten. Also gibt es sie hier immerhin online:

 „Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Dieses Gebet ist zeitlos und klingt, als wäre es für unsere unruhigen Tage geschrieben. Es hat etwas mit Verzicht zu tun:

  • Auf manche Aufregung verzichten können.
  • Darauf verzichten, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Sich dadurch seelische und körperliche Verletzungen ersparen und Kräfte für Sinnvolles freisetzen.
  • Verzichten auf Träume und Hoffnungen, die in diesem Leben nicht wahr werden können. Sich durch Enttäuschung und Trauer hindurch von ihnen zu lösen und eine neue Freiheit leben. Die Hoffnung stirbt dann nicht, sie trägt eine andere Farbe, fasst einen anderen Inhalt.
  • Auf Resignation und Tatenlosigkeit verzichten, Energie sammeln und da kräftig hinlangen, wo es wirklich etwas sinn- und freudvolles zu tun gibt.

Klingt perfekt. Ist aber ganz schön schwierig, da hinzukommen.

Das englische Original dieses Gebetes gibt dazu eine echte Hilfestellung.

“God, give us grace to accept with serenity
the things that cannot be changed,
courage to change the things that should be changed,
and the wisdom to distinguish the one from the other.”

Die erste Zeile lautet, streng übersetzt: „Gott, gib uns die Gnade mit Gelassenheit hinzunehmen…“

Ah! Gelassenheit oder Geduld, das ist eine Gnade, um die ich Gott bitten kann. Ich finde es wichtig, mich daran zu erinnern. Denn ich bin so daran gewöhnt, alles und mich selbst zu verbessern, zu trainieren, zu optimieren! Im Gebet erinnere ich mich daran, dass ich das nicht alleine schaffen muss.

Es ist ein Hand in Hand gehen mit Gott. Was mir an Geduld fehlt zu einem schönen Leben - das kann ich zum Teil selbst trainieren und zum anderen Teil einfach schenken lassen. Darum zu beten ist eine wertvolle, lohnende Übung.

Bis nächste Woche.

 

PS

Geschrieben hat das Gebet der US-amerikanische Theologe Karl Paul Reinhold Niebuhr (1892-1971) etwa 1941/42. Das genaue Datum wusste er selbst auch nicht mehr. Mehr zu Entstehung und Verbreitung des Gebets finden Sie digital bei der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart unter
https://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/handschriften/bestand/nachlaesse-und-autographen/oetinger-archiv/gelassenheitsgebet/