Jetzt dürfen die Azubis ran!
Immer wieder lese ich im Klinik-Intranet: Die Station X wird in der kommenden Zeit von Auszubildenden geleitet! Ich freue mich über diese Berichte. Ich bewundere den Mut der Schülerinnen und Schüler, die sich auf diese Aufgabe einlassen. Ich spüre ihnen die Begeisterung an, und auch ein wenig den Respekt vor dem, auf was sie sich da einlassen. Ich bewundere das Vertrauen der Chefinnen und Chefs, die sie machen lassen. Immerhin, sie bleiben im Hintergrund und lassen sich gerne etwas fragen.
Etwas ganz ähnliches feiern die Kirchen an Christi Himmelfahrt. Nur krasser.
Der Chef sagt zu seinen Azubis: „Ich bin dann mal weg. Jetzt seid ihr dran“.
Er gibt ihnen noch ein paar letzte Verhaltensregeln und Mutmach- Worte auf den Weg.
Er sagt „Ich traue Euch das zu. Ich gebe euch die Kraft dazu, ihr könnt Euch auf mich verlassen.“
Und dann ist Jesus weg.
Eine große Lücke. Warum machen die Kirchen aus so einer Lücke ein großes Fest?
Eben weil jetzt die Azubis dran sind. Und Christen wissen: Das sind wir. Jesus, unser Chef, traut uns zu, dass wir das hinkriegen. Dass wir uns an ihm ein Vorbild nehmen und mit Menschen so umgehen, wie wir es von ihm lernen konnten. Für Christinnen und Christen ist das ein Auftrag, und auch andere Religionen kennen solche menschenfreundlichen Grundsätze.
Ein paar Beispiele: Gebt den Hungernden zu essen. Nehmt die Fremden auf. Kümmert euch um die Kranken. Besucht die Gefangenen. Erzählt dem Menschen, dass Gott Gutes für sie will.
Und lebt so, dass sie es euch glauben.
Eine Aufgabe, vor der ich durchaus Respekt habe. Ich finde diesen Auftrag begeisternd und herausfordernd zugleich.
Hier am Klinikum gibt es so viele Menschen, die dafür sorgen, dass kranke Menschen gut versorgt und gepflegt werden. Ob sie sich dabei als Azubis Jesu fühlen oder nicht, ich bin mir sicher, es gefällt ihm.
Ob sie sich nun Christen nennen, Juden, Muslime, Buddhisten oder ganz anders:
Viele tragen dazu bei, dass unsere Welt eine bessere wird, etwas mehr so, wie Gott sie sich vorgestellt hat.
Dafür Danke – an Gott – und an Alle, die mitanpacken!
Die Azubis für Gesundheits- und Krankenpflege, die die Station leiten: Sie scheinen einen Vorteil zu haben. Sie können ihre Chefin oder ihren Chef fragen, wenn sie sich nicht sicher sind. Es ist gut, dass da jemand da ist. Im Hintergrund für sie.
Spoiler-Alarm: für Christen ist das ganz ähnlich. Vielleicht erzähle ich mehr dazu an Pfingsten…
Herzliche Grüße,
Pfarrer Johannes Eunicke
Evang. Klinikseelsorge am INZ (Med 4, Hautklinik) und Kopfklinik (Kinder- und Jugendpsychiatrie)