3. Fastensonntag - 8. März 2026

Jesus mit Dornenkrone
Bildrechte privat

„Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen“. Nach diesem Vers aus dem 25. Psalm hat der heutige Sonntag, der 8.3., seinen Namen: Okuli, Augen. Und so blicke ich auf dieses Bild Jesu, das mir kürzlich in die Hand fiel:
Jesus mit der Dornenkrone. 
Zuerst tat ich mich richtig schwer mit diesem Kunstwerk – auch wenn es beeindruckend gut gestaltet ist. Doch dann erfuhr ich die Geschichte dazu von der Kollegin, die es fotografiert hat:
Es ist ein Flachrelief aus einer Kunstausstellung.
Soweit so normal.
Alles andere an ihm ist besonders:
Der Ort: Die Justizvollzugsanstalt in Nürnberg-Gostenhof. 
Der Künstler: Ein Häftling.
Das Material: Brot!
Die dunkle Farbe: Kaffee!
Ich bin beeindruckt: So ausdrucksstark, so künstlerisch, mit diesen einfachen Mitteln!  - Ich könnte das mit den besten Möglichkeiten nicht. Aber das liegt an meiner fehlenden Begabung und ist eine ganz andere Geschichte.
Wie kommt ein Häftling auf dieses besondere Motiv:  Jesus mit der Dornenkrone? 
Ich weiß es nicht. Ich vermute, dass es ihn berührt hat, weil es etwas mit seinem Leben zu tun hat.
Und so forsche ich nach, was mich so bewegt an diesem Kunstwerk.
Ich blicke auf den geschundenen Menschen mit der Dornenkrone.
Abgeschrieben von seinen Mitmenschen. Mit ganz naheliegenden Fragen: 
Das soll der Sohn Gottes sein? Der soll den Tod überwinden? Der soll für uns Leben möglich machen?
Und doch, es ist wahr. Drei Tage später ist er auferstanden. Und dann fiel es manchen wieder ein: 
„Ich bin das Brot des Lebens“. Ja, das hat Jesus gesagt. 
Es tut mir gut, das zu wissen. Für mein persönliches Leben – und für meine Arbeit als Seelsorger an der Uniklinik:
Jesus ist das Brot des Lebens. Für mich. Und: Für alle Menschen. Ob sie zu den Glücklichen zählen, oder zu denen, deren Leben als verunglückt oder gescheitert angesehen wird.
Jesus ist das Brot, das Kraft gibt und Hoffnung. Das Brot, das die Lebensgeister weckt. Das Brot für uns. Damit auch wir Brot für andere werden können. Selbst wenn wir uns das vielleicht gar nicht zutrauen.
Und ebenso werden wir Anderen begegnen, die stärkendes Brot für unser Leben sind.
Ich sehe mir noch einmal das ganze Bildnis an. Mein Blick ruht auf der dunklen Farbe, die vom Kaffee stammt. Und ich muss schmunzeln:
Ich finde es schön, dass Kaffee eine so wichtige Rolle spielt in diesem Kunstwerk.
Für mich ist Kaffee auch geradezu lebensnotwendig für einen guten Start in den Tag.
Dieses Bild, mit dem ich mich so schwertat: Es hat viel in mir angestoßen.
Ich wünsche Ihnen und mir weitere gute Anstöße für die Fastenzeit!

Herzliche Grüße,
Pfarrer Johannes Eunicke
ev. Klinikseelsorge, INZ (Med 4, Hautklinik) und Kopfklinik (Kinder- und Jugendpsychiatrie)

Möchten Sie die Fastenbilder in Ihr E-Mail-Postfach abonnieren? Dann bitte hier klicken.