Ein Garten in unserer Kapelle!

Pflanzen in einem mit Korken oben verschlossenen hohen Glas
Bildrechte EV KHS UKER/S.Stock

Heute bin ich in die Kapelle des Internistischen Zentrums gegangen und habe einen Garten gefunden. Ja, einen Garten!
Das fand ich besonders verwunderlich, weil ich vorgestern zum Aromagarten der FAU gelaufen war, um im Garten dort lustzuwandeln und an Sträuchern zu riechen, um auf andere Gedanken zu kommen, die nicht nach Desinfektionsmittel riechen. Das Tor war zu, der Gartenbesuch auf Eis gelegt.

Der besondere Garten, der mir im INZ erst ins Auge fiel und den ich dann in die Hand nahm, ist vielleicht so etwas wie ein Wintergarten. Glas ist darum herum. Blüten sind getrocknet, Aroma ist konserviert. Alles steckt in einem kleinen Reagenzglas.

Schön, dass man sich auch im Winter an Blüten freuen kann! Aber irgendwie auch schade. Garten, Blumen, Grün - das macht eigentlich Lebendigkeit aus. Das ist etwas, was sich verwandelt, aufblüht, abblüht, sich ändert... 

Paul Gerhard fällt mir ein: "Geh aus mein Herz und suche Freud... an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier..." heißt es am Anfang. Und später: "Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd´ ein guter Baum... Verleihe, daß zu deinem Ruhm ich deines Garten schöne Blum und Pflanze möge bleiben." 

Sind wir Blumen? Vielleicht erfreut sich heute jemand an unserer Gegenwart. Vielleicht tragen wir heute Hoffnung in unsere eiskalte Umgebung... einen Sinn und Geschmack nach mehr, nach Unendlichkeit, nach Hoffnung auf Leben, das nicht verblüht. 

Heute nehme ich mir das kleine Glas zum Vorbild. Ich werde nicht die Welt in einen Garten verwandeln, aber schauen, ob ich dem einen oder anderen kleinen Blümchen etwas Wasser geben kann, hier und da ein gutes Wort, eine nette Geste, ein "ich sehe dich" - und ich werde schauen, was ich für mich brauche: Wasser, Licht, Luft - und offene Augen für die Schönheit der Natur und all der anderen bunten Gewächse, die im Krankenhaus unterwegs sind.

Pfarrerin Stefanie Stock