Pfingsten? Pusteblume. Das Leben ist stark.

Submitted by Frank Nie on Wed, 05/15/2013 - 20:30

Pusteblume

Zur Teamandacht vor Pfingsten habe ich eine Pusteblume mitgebracht.
Nein, ich puste jetzt nicht hier im Büro.

Pusten, Lufthauch, Ruach – der belebende Atem Jahwes, Ihr kennt das.
Ich habe mich wirklich darüber amüsiert, wie schwer es ist, so eine Blume hierher zu kriegen, ohne dass der Hauch, der Luftzug oder mein eigener Atem ihre Samen verstreut. Man muss sich schon sehr gezielt anstrengen um zu verhindern, dass sich das Leben verstreut, verströmt, wenn Bewegung in die Sache kommt. Und wenn es blöd läuft und die Blume wirklich ganz „reif“ ist, dann gelingt einem das gar nicht.

Gerade das stimmt mich zuversichtlich: Wenn ich an irgendetwas oder irgendjemandem vorbeikomme, der oder die „so weit“ ist, dann reicht schon der sanfte Luftzug einer Fast-Begegnung. Ich muss ihn, sie oder es noch nicht einmal streifen, direkt berühren! Vorbeigehen reicht, ein schnell mal Vorbeischauen - und Fruchtbarkeit, Samen, verteilt sich überall hin. Das finde ich für Besuche, die auf ein erweitertes Grüßen hinauslaufen, doch recht verheißungsvoll. „Und, wie?“ „Passt.“ „Ade.“

Was aus diesen Samenkörnern wird, das ist natürlich völlig offen. Die wachsen nicht überall, und sie sollen es auch gar nicht. Ich stelle mir Eure „Begeisterung“ vor, Kathrin und Johannes, wenn hier so ein Löwenzahn in Eurem Büro Wurzeln schlagen würde. Oder auf einem Zierrasen…
Auch das merke ich mir: Es ist nicht immer die rechte Zeit, der rechte Ort, für das Ausstreuen. Oder nicht das richtige Wetter: Bei Feuchtigkeit fliegen sie nicht so gut.
Auch das finde ich verheißungsvoll: Es ist nicht immer der richtige Ort, das richtige Wetter, der richtige Moment, damit ein Gespräch, ein Impuls oder ein Gebet sich weitet, in den Raum wirkt. Manchmal soll es einfach nicht sein, geht es nicht, und fertig. Ein ander Mal.

Es gäbe noch so viel… ein Letztes: Bisher war es ein milder Hauch, von dem ich sprach. Jetzt stelle ich mir vor, da kommt so ein saftiger Pfingststurm Gottes; wie weit der etwas trägt, was Frucht bringen kann? So, wie wir manchmal Saharasand abkriegen, wenn die Wetterlage passt, kann uns so ein Sturm Gottes die ungeahntesten, entferntesten Samenkörner einblasen; da kann also etwas wachsen, was es sonst gar nicht gibt, oder nur selten – oder in Umständen, bei denen man es nicht vermutet. Wenn ich schon einen Löwenzahn in die Klinik und in Euer Büro schleppe, dann könnte Gott doch erst recht seinen Segen durch uns in die Klinik und Zimmer pusten und dort Frucht bringen lassen.

Pfr. Frank Nie
 

Kurzandacht zu Beginn der evang. Seelsorgeteam-Teamdienstbesprechung am 15.5.2013.

©Text und Bild: Evangelische Klinikseelsorge Erlangen, Pfr. Frank Nie.
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