Willkommen

Herzlich willkommen bei der Evangelischen Klinikseelsorge im Dekanatsbezirk Erlangen

Evangelische Klinikseelsorge ist ...

  • kirchlicher Dienst im Krankenhaus
  • Angebot der Kirche für PatientInnen, Angehörige und Krankenhauspersonal
  • Begleitung für Menschen in Krisen- und Grenzsituationen mit unserem eigenen Glaubens- und Lebenshintergrund

 

Aktuelles

Gethsemane und Gottes Licht

Soeben hat Herr L. mein Büro verlassen. Eine gute Stunde war er hier und hat mir aus seinem Leben erzählt.
Viel Dunkles gab es da von Anfang an. Dazwischen zwar auch manchmal schönere Zeiten, aber vor Kurzem war es dann wieder soweit: Herr L. kam freiwillig in die Psychiatrie, bevor noch etwas „Schlimmes“ passiert.

Und nun stehe ich hier in meinem Büro, sinne über das Leben von Herrn L. nach und betrachte dabei die Bilder, die an der Wand hängen. Sie handeln von der Gefangennahme Jesu. Eine Künstlerin, Viola Schweinfurter, hat sie 2007 gemalt und der Klinikseelsorge geschenkt. 

Ich betrachte das erste Bild (oben links). Bedrohlich sieht es aus. Jesus, bedrängt von vielen Menschen, die ihm Böses wollen. Auch Herr L. fühlt sich überwältigt von all den Sorgen und Problemen, die ihn immer wieder zur Verzweiflung bringen. So ist die Realität nun mal. Damit müssen wir immer wieder zurechtkommen.

Dann wandert mein Blick über die weiteren Bilder – von oben rechts, weiter nach unten links, dann unten rechts. Es verändert sich etwas: Während die Umrisse der „Bedränger“ immer konturloser und unschärfer werden, wird der Mensch in der Mitte immer strahlender.
Ist das vielleicht so, wie Gott auf uns schaut?
Gott, für den wir geliebt, strahlend, wertvoll sind?
Gott, für den unsere Probleme zwar da sind, der aber das große Ganze sieht?

Jesus in Gethsemane: Da war er am Tiefpunkt seines Lebens. Zitternd, ängstlich weinend. – Aber als die Soldaten kamen, ging er gefasst seinen Weg. Ich denke, ihm war im Gespräch mit Gott wieder klargeworden: 

Ich stehe nicht alleine da. Gott ist an meiner Seite.
Gott hält die Zeit in seinen Händen. Und die geht vorbei.
Gott wird mir Gerechtigkeit schaffen. Wie das genau aussieht, kann ich ihm überlassen.
Gott ist größer als all meine Probleme.
Gottes Licht siegt am Ende über alle Dunkelheit.

Und es kam dann auch so:  Das Osterlicht macht deutlich: Gott hat die Finsternis besiegt. Daran erinnern mich diese Bilder. Und daran erinnert mich Ostern: Es gibt keine Dunkelheit, die Gott nicht erhellen kann.

Gottes Licht wird unsere Finsternis vertreiben. 
Auch bei Herrn L. wird es so sein.

Getrost mache ich mich auf den weiteren Weg.

Pfarrerin Kathrin Eunicke

Palmenfasten?

Es gibt so Dinge, die bringen mich auf die Palme: Wenn ich es eilig habe, eh schon in der längsten Schlange vor der Kasse gelandet bin – und dann kramt jemand seelenruhig die letzten 23 Cent in Einzelmünzen aus seinem Geldbeutel. Wenn mich jemand blöd anredet. Oder wenn sich jemand über etwas lustig macht, das mir wichtig ist. 

… und dann sitze ich auf meiner Palme.
Weit weg von den Menschen – und weit weg von meiner Handlungsfähigkeit. Ich habe ja alle Hände voll zu tun: Ich muss mich an der Palme festhalten, solange der Ärger mir die Kraft dazu gibt.
Auf meiner Palme kann mich keiner erreichen: Kein Mensch, und Gott auch nicht. Zu sehr halte ich mich an meinem Ärger oder an meiner Verletzung fest.

Am Anfang dieser Woche steht der Palmsonntag:
Jesus zieht in Jerusalem ein, ganz bescheiden auf einem Esel. Und doch wird er begrüßt wie ein König, wie der Friedenskönig. Es wird sozusagen der „grüne Teppich“ für ihn ausgerollt:
Die Menschen legen Kleidung und Palmzweige auf den Weg. Der Weg für den Friedenbringer soll schön sein: bunt, geschmückt, weich.

Das bringt mich auf eine Idee: Palmenfasten!
Wie wäre es, wenn ich von meiner Palme herabsteige und Jesus auch einen Palmzweig auf den Weg lege? Ich sage ihm das, was mich so geärgert hat oder verletzt. Im Vertrauen darauf, dass es bei ihm schon richtig aufgehoben ist.

Und auf einmal merke ich: Ich bin ja tatsächlich runtergestiegen von meiner Palme; ich habe wieder Bodenhaftung.
Ich bin nicht mehr weit weg und isoliert, sondern wieder nah bei den Menschen, und nah bei Jesus.
Ich muss mich nicht mehr an meine Palme klammern, sondern ich habe Herz und Hände frei: 
Um für das einzustehen, was mir wichtig ist. 
Um die Menschen anzusprechen. die mich geärgert oder verletzt haben – in einem Ton, der weiterbringt.
Oder um mich zu schütteln, tief durchzuatmen – und dann geduldig an der Kasse anzustehen, oder weiterzugehen auf meinem Weg.

Ein Weg, den ich frei gehen kann. Frei, nahe bei den Menschen und bei Gott, frei und handlungsfähig.

Pfr. Johannes Eunicke
Klinikseelsorger Kopfkliniken / Med. 4

"Zupf regelmäßig das Unkraut aus": Für einen Weg zum Glück gibt es einen guten Vorschlag - hören Sie mal rein.
Gedacht und gesprochen von Pfr. Frank Nie, Klinikseelsorge Universitätsklinik Erlangen.

Fastenbilder  - 3. April 2022
Bildrechte Adobe Stock / Andreas Mauser

Meine Lebensmelodie

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran: Mitte Februar gab es bei uns heftige Stürme. Ganze Bäume wurden entwurzelt. Draußen brauste der Wind in den Bäumen und Sträuchern unseres Gartens. Es war in einer dieser stürmischen frühen Morgenstunden: Ich glaubte, meine Sinne hatten mir gerade einen Streich gespielt. Das kann doch nicht sein, bei dem Wind und der Lautstärke. Ich hörte noch einmal ganz bewusst hin. Nein, es stimmte: Ein Vogel sang sein Morgenlied mitten im entfesselten Sturm. Seine Stimme war so kräftig, dass sie sogar durch das Bürofenster hindurch vernehmbar war. „Eine wunderschöne Melodie“ dachte ich mir und was für eine Leistung. Sich gegen den tobenden Sturm zu behaupten, den Halt auf dem Zweig bewahren und dabei noch seine Stimme erheben zu können. Respekt!

Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht haben Sie momentan auch das Gefühl, dass Sie sich mitten in einem Sturm befinden und so vieles auf verschiedensten Kanälen auf Sie einwirkt, ja eindrischt, dass Sie in Ihrem Inneren Ihre eigene Lebensmelodie gar nicht mehr wahrnehmen können. Oder dass Sie glauben, angesichts der momentanen Stürme sei es doch verschwendete Energie zu singen. Mich hört doch sowieso niemand. Der Vogel aber sang trotzdem und zumindest ich hatte ihn gehört. 

Vielleicht mögen Sie es in dieser Woche erkunden: Was macht eigentlich meine ganz eigene Lebensmelodie aus? Was kann ich tun (oder lassen), damit ich sie wieder neu wahrnehmen kann? Und möglicherweise bin ich dann an einem Punkt so mutig und singe drauf los. Und ich glaube fest, dass Gott Sie dabei hört und sich mit Ihnen freut.

Ich wünsche Ihnen eine möglichst gute Woche und grüße Sie herzlich.

Andreas Mauser
Kath. Klinikseelsorge

Pfr. Joh. Eunicke, Prädikat Karl-Heinz Hofmann, Dekan P. Huschke
Bildrechte Ev. Klinikseelsorge UKER

Karl-Heinz Hofmann (Bildmitte) ist auf den Tag genau 50 Jahre nach seiner Konfirmation am 26. März 2022 in der Neustädter Kirche (Erlangen) von Dekan Peter Huschke (rechts) in sein Amt als Prädikat für die Kliniken und Gemeinden des Evang.-luth. Dekanats Erlangen eingeführt worden. Seine Ausbildung zum Prädikanten hatte Pfr. Johannes Eunicke (links, Klinikseelsorger am Universitätsklinikum) begleitet, die vorhergehende Ausbildung zum Lektor Pfr. Frank Nie (Klinikseelsorge UKER).

Als Prädikant hält Karl-Heinz Hofmann ehrenamtlich Gottesdienste in den Klinikkapellen und Kirchengemeinden des Dekanats Erlangen, dazu gehören auch die Sakramentsverwaltung (Abendmahl, Taufe) und die Einbindung in die seelsorgliche Schweigepflicht. Die evangelischen und katholischen Klinikseelsorger*innen überreichten ihm im Gottesdienst als gemeinsames Geschenk eine lateinamerikanisch farbenfrohe Stola.

Fastenbilder - 27. März 2022
Bildrechte Pixabay

Wenn ich verreise, sammle ich Sachen, die ich nicht vergessen will, in Schüsseln zusammen.
In der Küche, im Bad etc.
Ganz oft bräuchte ich dann ausgerechnet eine dieser Schüsseln für ihren „eigentlichen“ Zweck … und bin konsterniert und ausgebremst, wenn ich realisiere: „Schüssel nicht einsatzbereit!“
Das ist, glaube ich, auch manchmal im übertragenen Sinn der Fall:
Schon ganz lange hat es mir das Bild angetan, dass wir wie eine Schale sind, die Gott gebrauchen kann und will.
Er füllt uns mit seinen „Gaben“ … und dann können auch andere – wie bei einer Obstschale – davon etwas haben.
Allerdings: Ich befürchte, dass auch ich oft nicht „einsatzbereit“ bin, weil „überfüllt“.
Oft nur am Rennen und Hetzen, viele verschiedene Baustellen gleichzeitig, die mein Leben und meinen Kopf füllen … und wenn ich abends kaputt in den Sessel sinke, prasseln Nachrichten auf mich ein oder ich gönne mir einen Film zum Entspannen. 
Wenn ich so unterwegs bin, dann haben die Gaben Gottes - Frieden, Liebe, Freude, Ruhe, Kraft, um nur ein paar zu nennen -, kaum Raum bei mir.

Die Fastenzeit ist als Zeit gedacht, sich einmal „leer zu machen“, oder zumindest leerer!
Das ist der tiefere Sinn, wenn wir auf bestimmte Dinge in der Fastenzeit verzichten.
Damit in uns bzw. bei uns neuer Raum entsteht!
Und dieser Raum im besten Fall dann auch von „Gottesgaben“ gefüllt wird.
Weil ich mir dann eben vielleicht auch die Zeit gönne, mich dafür zu öffnen (welchen Weg auch immer ich da für mich habe, suche, finde …).

Im Augenblick fühle ich mich leider eher wie eine überfüllte „Vorurlaubsschüssel“.
Das Foto vom Schalenbrunnen oben ist genau das Gegenbild dazu.
Eine Schale ist frei für frisches, sprudelndes Wasser und fließt davon über, so dass das Wasser von einer nächsten Schale aufgefangen wird und wiederum überfließt in die dritte Schale, die den Kreislauf fortsetzt.
Und der Tanz der Wassertropfen sieht so fröhlich, erfrischend und lebendig aus!
… und lässt mich an eine Einladung von Jesus denken, die ich auch schon immer sehr verheißungsvoll fand:

„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt (…), von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“  
(Johannesevangelium, Kapitel 7, 37b-38)

Kleine Anklänge davon wünsche ich uns allen von Herzen für diese Zeit!
Ihre Klinikseelsorgerin Regina Korn-Clicqué

Fastenbilder - Blume
Bildrechte Pixabay/klimkin

Dürre. Hart getrocknete Erdschollen. Mitten drin leuchtet die Blume. Ich glaube, der Fotograf hat sie dort extra hineingesteckt, damit er ein schönes Motiv hat.

Mit Dürre verbinde ich Missernten, Nahrungsknappheit und Hungersnot. Erzwungener Verzicht auf genug zu essen. Doch ich sehe hier vor allem die Blüte. Die schenkt mir Hoffnung.

Entweder hat sie der Fotograf dort hingestellt. Von irgendwo mitgebracht, wo es Wasser gibt.
Oder sie ist dort gewachsen, weil sie jemand gegossen hat.

Egal. Ich sehe: Wir können Leben bringen, die Macht der Dürre beenden. Da ist viel Hoffnung darin.

Um die Dürre zu durchbrechen, um eine Not zu lindern, müssen die meisten von uns gar nicht groß auf etwas verzichten. Aber wir können es tun: Rechnen Sie doch einmal zusammen, was Sie an einem Tag für Essen und Trinken ausgeben. Und diesen Betrag spenden Sie dann. Oder verzichten Sie auf einen Cappuccino pro Tag. An unseren Klinik-Kiosken kostet der 2,90 Euro. 40 Fastentage, so viele kennt das Kirchenjahr: 116 Euro.

Ich schlage hier mit Absicht keinen großen Bogen über Gerechtigkeit auf der ganzen Welt, Marktwirtschaft und „Hilfe zur Selbsthilfe“ bei Entwicklungsprojekten. Ich lade Sie lieber ein, eine Erfahrung zu machen: Wie fühlt es sich an, wie fühle ich mich, wenn ich einmal mit Absicht selbst auf etwas verzichte, und es stattdessen jemandem gebe, der es nötiger braucht als ich?

Pfarrer Frank Nie

Fastenbilder 13. März 2022
Bildrechte Pixabay

Einige Jahre schon leistet das Bäumchen Widerstand. Es hält durch, wächst und bleibt beständig, übersteht ausdauernd auch die kalte Jahreszeit und ihren Schnee. Woher kommt seine Kraft? - Es genügt, dass sie da ist.

Was trägt uns Menschen durch belastende, herausfordernde Zeiten?

Vielleicht finden Sie sich in den Worten des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer wieder: 

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“

Die Fastenzeit gibt Gelegenheit, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Dem will ich nachgehen: Wo meine ich, mich nur auf mich selbst verlassen zu können, bin ich zu bemüht und angespannt, wo kann ich gelassener werden? - Weil Gott mir das Notwendige gibt.

Ihnen allen weiter viel Kraft an Ihrem Platz!

Pfarrerin Verena Winkler
 

Schaf
Bildrechte Frank Nie

Das Schaf auf diesem Foto steht in der Kinderklinik, im Gang vor der Cafeteria. Erst diese Woche lief ein Junge an der Hand seiner Mutter freudig darauf zu: “Mäh, mäh! Da, mäh!“. Das Schaf ließ sich natürlich von ihm streicheln und sorgte so für einen fröhlichen Moment der Abwechslung auf dem Weg vom Stationszimmer zu einer Untersuchung. Am liebsten wäre der Kleine noch viel länger geblieben. Die Mutter versprach ihm, dass er das Schaf nach der Untersuchung wiedersehe.

Diese Schafe – es sind zwei - sind wie ein Ort zum Innehalten, ein Lichtblick. Im Betrieb einer großen Klinik brauchen Menschen das zuweilen. Und manche verweilen deshalb für einen Moment, bei den Schafen oder im Andachtsraum im C-Bau. Sie zünden eine Kerze an, schreiben ein Gebet auf, suchen Ruhe oder nehmen einen der dort ausliegenden Texte mit. Am häufigsten greifen sie zu Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. …

Darin klingt Hoffnung an: Dass Gott sich wie ein Hirte unserer annimmt, dass wir uns bei ihm geborgen fühlen dürfen; dass er uns auf grünen Auen weidet und zu frischen Wassern führt.

Wer so hofft und betet weiß dabei, dass es dunkle Momente in unserem Leben geben kann, finstere Täler und steinige Wege. Dass wir Menschen manchmal Trost brauchen, Zuspruch und Begleitung. Deshalb ist für mich ein kleiner Satz im Psalm 23 sehr wichtig: Dein Stecken und Stab trösten mich!

Und so denke ich häufig – und gerne - an den Psalm 23, wenn ich an den beiden Schafen in der Klinik vorbeigehe und sogar sehen darf, wie sie kranken Kindern und ihren Eltern Trost und Ablenkung schenken. Die müssen in der Klinik auf viel Schönes und Gewohntes verzichten; umso schöner, wenn sie dann und wann so ein Schaf auf ihrem Weg finden können.

Mögen Sie sich behütet fühlen, auf grünen Auen und auch auf steinigen Wegen,

Ihre

Pfarrerin Kathrin Kaffenberger